home

DIE AUSNAHME VON DER REGEL

Dialektischer Exkurs
zur Phänomenologie eines Wi(e)derspruchs


Um bestehende Regeln durch Ausnahmen nicht abzuschwächen, verwenden wir in der Regel die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel".
Die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" jedoch ist eine Regel, die sich, ihrer Aussage gemäß, ausschließlich aus Ausnahmen zusammensetzt, und die Ausnahmen, die diese Regel bestätigen könnten, dürfen, um sich von Ausnahmen auszunehmen, keine Ausnahmen sein.
Solche Ausnahmen sind gewiß Ausnahmen von der Regel.
Was aber wird aus den Regeln, wenn solche Ausnahmen zur Regel werden?
Wie nähme sich eine Regeln aus Ausnahmen von Ausnahmen unter den Regeln aus?
Welche Ausnahmen sollten die Regel aus Ausnahmen, die keine Ausnahmen sind, bestätigen?
Wir können außerdem nicht außer acht lassen, daß die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" durch ihre Aussage alle anderen Regeln bestätigt und wir sie dieser ihrer Auswirkung auf die Aussagekraft von Regeln entsprechend eher als Ausnahme denn als Regel betrachten sollten, weil ja schließlich Ausnahmen und nicht Regeln die Regel bestätigen.
Um also die Aussage „Ausnahmen bestätigen die Regel" als Ausnahme zur Bestätigung von Regeln zu bestätigen, müßten wir jene Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, zur Regel erheben und weiters die Ausnahmen, die die Regel bestätigen, von den zur Regel erhobenen Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, ausnehmen.
Richten wir unser Trachten vorerst darauf, daß die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" bestätigte Regel bleibt. Dazu müssen wir einige Ausnahmen von ebendieser Regel ausmustern.
Angenommen wir nehmen nun Ausnahmen aus von der Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel", Ausnahmen, welche die Regel nicht bestätigen.
Diese Ausnahmen wären dann sowohl Ausnahmen von jenen Ausnahmen, die die Regel bestätigen, als auch von Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, weil sie als Ausnahmen von der Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" in der Aussage, daß sie keine Regel bestätigen, die „Regel Ausnahmen bestätigen die Regel" dennoch bestätigten, womit sie zwar Ausnahmen zur Bestätigung der Regel, aber zugleich keine Ausnahmen im eigentlichen Sinne wären, weil sie durch die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel", die sie eigentlich bestätigen sollten, als Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, bestätigt würden.
Solche Ausnahmen sind somit Ausnahmen in zweierlei Hinsicht, doppelte Ausnahmen sozusagen, oder auch gar keine Ausnahmen, folglich sogar Ausnahmen von sich selber, solchermaßen durchaus geeignet, die aus Ausnahmen bestehende Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" zu bestätigen.
Auch zur Regel erhobene Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, wären sicher Ausnahmen unter den Regeln, könnten als solche sämtliche Regeln, inklusive der Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" bestätigen, wären aber dennoch Regeln aus Ausnahmen, die keine Regel bestätigen, wodurch die Ausnahmen und die Regeln aus Ausnahmen und die von Ausnahmen bestätigten Regeln in Frage gestellt würden. Deshalb müssen wir auch die Bestätigung einer Regel durch eine fragwürdige Ausnahmsregel in Frage stellen, und darum will ich nun versuchen, die Regeln zu regeln und die Ausnahmen auszunehmen.
Nach der Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" ist eine Regel nur bestätigt, wenn ihr widersprechende oder von ihr abweichende Ausnahmen bestehen, und sind Ausnahmen nur dann Ausnahmen, wenn sie, ausgenommen von einer Regel, die Regel bestätigen.
Die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" können wir einerseits als bestätigt betrachten durch die Ausnahmen, die keine Regel bestätigen, andererseits ist sie unbestätigt, weil ihre Ausnahmen keine Regel bestätigen.
Nehmen wir nun die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" aus, weil sie Regel ohne Ausnahmen ist, oder auch Regel mit Ausnahmen, die keinerlei Regel, selbst die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" nicht, bestätigen, so bleiben uns als erstes Regeln, die durch Ausnahmen bestätigt werden und als zweites Ausnahmen, welche die Regel nicht bestätigen, was unsere Befürchtung bestätigte, daß Ausnahmen, die keine Regel bestätigen, zur Regel werden könnten und dadurch alle Regeln in Frage gestellt würden.
Oder wir beharren einfach darauf, die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" sei eine Ausnahme, die Regeln bestätigt und von den Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, bestätigt wird, was so gesehen der Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel" wiederum widerspräche, weil ihrzufolge eine Ausnahme nicht von Ausnahmen bestätigt werden kann, weiters eine Ausnahme auch gar nicht von Ausnahmen bestätigt werden muß, sondern nur Regeln der Bestätigung durch Ausnahmen bedürfen und von Ausnahmen bestätigt werden können.
Anders betrachtet ist die Ausnahme, die Regeln bestätigt und von Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, bestätigt wird, wieder für unsere Zwecke verwertbar, weil die Ausnahmen, die die Regel nicht bestätigen, nicht im Widerspruch zu einer Ausnahme, lautend „Ausnahmen bestätigen die Regel", stünde.
Versuchen wir also, die Ausnahmen zu regeln und die Regeln auszunehmen, so bleiben uns sowohl Ausnahmen von Ausnahmen als auch Regeln aus Regeln, Regeln aus Ausnahmen sowie Ausnahmen aus Regeln. Regeln, die Regeln regeln und Regeln, die Ausnahmen ausnehmen sowie Ausnahmen aus Regeln; Regeln, die ausgenommen Ausnahmen regeln, Ausnahmen, die regelrecht Ausnahmen und Regeln ausnehmen; Ausnahmen aus Ausnahmen, die ausnahmsweise Ausnahmen ausnehmen und Regeln, die, von Regeln ausgenommen, regelmäßig als Ausnahmen aufscheinen; ausnehmend geregelte Ausnahmen, regelwidrig regellose Regeln, Ausnahmsregeln und Regelausnahmen, ausregelbare Regelnahmen, verriegelte Regeln, ausfallende Ausnahmen, Ausnahmen, die Regeln bestätigen und Ausnahmen, die keine Regeln bestätigen, somit teils bestätigte, teils unbestätigte Regeln und als unbestätigtste Regel die Regel „Ausnahmen bestätigen die Regel".
Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit meine Regeln und Ausnahmen von der Regel.

home